Capbretons Hafen: Handel, Fischerei und Estacade
Der Hafen gehört zum historischen Kern von Capbreton. Fischerei und Handel brachten dem Ort an der Atlantikküste Wohlstand; die Verlagerung einer Flussmündung veränderte seine wirtschaftlichen Grundlagen. Später folgten der Wiederaufbau des Hafens und die Entwicklung zum Seebad. Heute stehen Fischereiboote und Freizeitschifffahrt nebeneinander und machen verschiedene Etappen dieser Geschichte sichtbar.
Hafen und Geschichte von Capbreton
Blütezeit mit Fischerei und Handel
Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Capbreton seine maritime Blüte. Die Stadt beschreibt für diese Zeit Seeleute, Kaufleute und Reeder als tragende Gruppen. Walfang und die Fischerei auf entfernten Fanggründen gehörten zur Wirtschaft. Ebenso wichtig war der Export regionaler Waren: Sandwein und Erzeugnisse aus den umliegenden Wäldern wurden über den Hafen verschifft.
Die Handelsbeziehungen reichten nach Spanien und Portugal sowie nach Flandern und Holland. Kork, Pech, Harz und Kiefernbretter gehören zu den von der Stadt genannten Exportgütern. Der Hafen verband damit die Küste mit der Wein- und Waldwirtschaft im Hinterland. Diese Verbindung erklärt, warum die Geschichte des Orts mehr umfasst als den Fischfang unmittelbar vor den Stränden.
1578 veränderte sich die Flussmündung
Ein entscheidender Einschnitt war die Umleitung des Adour. Nach großen Bauarbeiten leitete der Ingenieur Louis de Foix den Fluss 1578 zum Boucau Neuf um. Für Capbreton begann damit ein schrittweiser Niedergang. Der heutige Boudigau wurde auf dem früheren Flussbett des Adour angelegt. Die Flusslandschaft von Boudigau und Bourret gehört deshalb unmittelbar zum Verständnis des Hafens.
Der Wandel zeigt, wie eng eine Hafenstadt von Wasserwegen und ihrer Verbindung zum Meer abhängt. Die frühere Handelsfunktion und der heutige Küstenort sind unterschiedliche Phasen derselben Ortsgeschichte. Beim Spaziergang zwischen Hafenbecken und Einfahrt lässt sich die räumliche Verbindung von Binnenwasser und Atlantik besonders gut nachvollziehen.
Napoleon III. und die Estacade
Unter Napoleon III. wurden Arbeiten beschlossen, die den alten Hafen wiederbelebten. Die Estacade sollte den Lauf des Boudigau ausrichten und steht für diesen Neuanfang. Sie wurde 1860 fertiggestellt, anschließend mehrfach umgebaut und durch Stürme beschädigt. Auch am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zerstört. Der Leuchtturm an ihrem Ende stammt von 1948.
Die hölzerne Anlage ist ein prägendes Wahrzeichen an der Hafeneinfahrt. Im späten 19. Jahrhundert gab die Mode der Seebäder Capbreton zusätzlich neue Impulse. Jachthafen, Surfkultur und Strandtourismus erweiterten später die Nutzungen der Küste. Die Strände von Capbreton gehören zu dieser jüngeren Entwicklung des Urlaubsorts.
Maritimer Alltag und Natur
Der Hafen wird für Fischerei und Freizeitschifffahrt genutzt. Nahe der Capitainerie findet der Fischverkauf direkt am Kai statt. Im Zentrum erinnert auch die Kirche Saint-Nicolas an die maritime Vergangenheit: Ihr Turm diente den Schiffen als Seezeichen. Vor der Küste bildet der Gouf de Capbreton eine besondere Unterwasserlandschaft. Hafen, Flussmündung und Schlucht erschließen damit verschiedene Seiten des Küstenorts im Département Landes.
Bild: Hafen Capbreton mit aufziehendem Gewitter (Szeder László, wikimedia)